Masterstudienprogramm Religionsphilosophie / Religion and Science (Minor)

Die Religionsphilosophie ist eine Teildisziplin der Philosophie; d.h. sie befasst sich in philosophischer Perspektive mit Phänomenen des religiösen Glaubens. Sie sucht gelebte Religion zu verstehen (historisch-hermeneutische Komponente), denkt diese auf die darin implizierten Möglichkeiten weiter (kreativ-konstruktive Komponente) und sie beurteilt das so Verstandene und Erdachte im Horizont kritisch urteilender Vernunft (kritisch-rationale Komponente).

Die Religionsphilosophie stellt Fragen wie: Was ist Religion? Gibt es Eigenschaften, die allen Religio­nen gemeinsam sind – lässt sich also von einem ›Wesen‹ der Religion sprechen? Ist Religion eine eigenständige ›Lebensform‹, ein spezifisches ›Sprachspiel‹? Welche Rolle spielt sie in Kultur und Gesellschaft? Wie rational kann religiöser Glaube sein und welche Rolle kommt Emotionen im religi­ösen Leben zu? Können Glaubende und Nichtglau­bende einander verstehen? Was heisst es, Religion zu kritisieren oder zu begründen? Wie verhält sich Religion zu nicht-religiösen Formen des Wissens?

Das Masterstudienprogramm führt in Geschichte und aktuelle Diskussionen der Religionsphiloso­phie ein und befähigt Studierende so zur eigen­ständigen Bearbeitung religionsphilosophischer Grundfragen. Vor dem Hintergrund religionsphilo­sophischer Klassiker (wie Hume, Kant oder Nietz­sche) werden dabei gegenwärtige (sprach)analyti­sche und hermeneutisch-phänomenologische Zugänge zu religiösen Vollzügen und Inhalten be­rücksichtigt.

Schwerpunkt ›Religion and Science‹

Eine Besonderheit des Lehrangebotes besteht im Themenschwerpunkt ›Religion and Science‹. Dieser adressiert die Fragen und Herausforderungen, die sich aus der Gleichzeitigkeit, dem Mit- und Gegeneinander religiöser Überzeugungen mit (natur)wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben:


• Gibt es einen grundsätzlichen Konflikt zwischen naturwissenschaftlichem Weltbild und religiösen Haltungen?
• Wie verhält sich der traditionelle Glaube an eine »Schöpfung aus nichts« zum Urknall-Modell?
• Steht der Schöpfungsglaube im Konflikt mit na­turwissenschaftlichen Evolutionstheorien?
• Verletzt das göttliche Wirken in der Welt die Na­turgesetze oder lässt es sich in Regionen physikali­scher Indeterminiertheit lokalisieren?
• Was für religiöse und religionshybride Meta­phern tauchen im Bereich der KI-Forschung oder des Transhumanismus auf?
• Lässt sich Religiosität neurowissenschaftlich messen?
• Widerspricht der „methodische Atheismus“ der Naturwissenschaften allen religiösen Transzen­denzbezügen?
• Mit welchen vorwissenschaftlichen Axiomen ar­beiten Naturwissenschaften – und sind sie religiös anschlussfähig?
• Wie ist ein konstruktiver Dialog zwischen christ­licher, aber auch jüdischer, islamischer etc. Religion und Naturwissenschaften möglich?

Das Studienprogramm bearbeitet das Themenfeld ›Religion and Science‹, indem es klassische religionsphilosophische Fragen (z.B. zum Verhältnis von Glauben und Wissen) und methodologische Grundsatzüberlegungen (z.B. zur Kompatibilität pluraler Wissensperspektiven) mit aktuellen Sachfragen (z.B. zu religiösen und evolutionsbiologischen Konzeptionen von ›Kreativität‹) verbindet.

 

 

Kontakt:

hermes@theol.uzh.ch